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Übergang in den Kindergarten: Wie Tagesmütter Kinder gezielt begleiten

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Der Wechsel von der Kindertagespflege in den Kindergarten ist für kleine Kinder ein bedeutender Lebensschritt. Als Tagesmutter oder Tagesvater kennen Sie das Kind oft seit dem ersten Lebensjahr – Sie sind Bezugsperson, Begleiterin und vertrauter Alltag in einem. Wenn dieser Alltag endet und ein neues Kapitel beginnt, kommt es auf eine gute Vorbereitung an. Dieser Artikel erklärt, wie Sie den Übergang pädagogisch fundiert und kindgerecht gestalten – mit konkreten Tipps für die letzten Wochen in der KTP.


Tagesmutter schaut einem Kleinkind mit Rucksack nach, das freudig in Richtung Kindergarten läuft (KI-generiert)

Warum der Übergang so bedeutsam ist

Kinder zwischen zwei und vier Jahren haben in der Kindertagespflege eine enge Bindung zu ihrer Betreuungsperson aufgebaut. Diese Bindung ist nach der Bindungstheorie von John Bowlby keine nette Zugabe, sondern biologisch verankert: Ein sicheres Bindungsverhältnis gibt Kindern die emotionale Stabilität, neue Umgebungen zu erkunden. Wenn dieses vertraute System endet, brauchen Kinder aktive Unterstützung, um die neue Situation einordnen zu können.

Transitionen – so nennen Fachleute bedeutsame Übergänge im Leben von Kindern – sind in der frühkindlichen Bildungsforschung gut untersucht. Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) zeigt: Übergänge, die bewusst begleitet werden, stärken die Resilienz von Kindern langfristig. Kinder, die gelernt haben, Veränderungen mit Unterstützung zu meistern, gehen offener und selbstsicherer in neue Situationen – auch später in der Schule und darüber hinaus.


Pädagogische Grundlagen: Was hinter einem gelungenen Übergang steckt

Vier Konzepte helfen Ihnen, den Übergang professionell zu gestalten:

  • Bindungsorientierung: Die enge Beziehung zwischen Kind und Tagesmutter ist die Basis. Ein guter Übergang beginnt damit, dass das Kind von seiner Betreuungsperson positiv auf den Schritt vorbereitet wird – nicht als Verlust, sondern als Entwicklung und Wachstum.
  • Partizipation: Kinder sollten altersgerecht in die Vorbereitung einbezogen werden. Das kann so einfach sein wie das gemeinsame Anschauen von Bilderbüchern über Kitas oder ein Besuch im künftigen Kindergarten, wenn die Einrichtung das ermöglicht.
  • Kontinuität: Vertraute Rituale, ähnliche Tagesstrukturen und bekannte Objekte (ein Kuscheltier, ein Foto aus der KTP) helfen Kindern, Sicherheit zu übertragen. Was in der Kindertagespflege funktioniert hat, darf im Kindergarten weiterleben.
  • Ko-Konstruktion: Übergänge gelingen besser, wenn alle Beteiligten – Tagesmutter oder Tagesvater, Eltern und der aufnehmende Kindergarten – miteinander kommunizieren und voneinander lernen. Sie als KTP-Person verfügen über wertvolles Wissen über das Kind.

Praktische Tipps für die letzten Wochen in der KTP

In den letzten Wochen und Monaten vor dem Wechsel können Sie konkret aktiv werden:

  • Offen über den Wechsel sprechen: Thematisieren Sie den Kindergarten positiv und altersgerecht – "Bald gehst du in den Kindergarten! Da gibt es ganz viele Kinder zum Spielen." Kinder spüren, wenn Erwachsene über etwas nicht reden – Offenheit schafft Vertrauen.
  • Bilderbücher nutzen: Es gibt eine Reihe guter Kinderbücher, die den Themen Abschied und Neuanfang gewidmet sind. Gemeinsames Lesen gibt Kindern Sprache und Bilder für eigene Gefühle.
  • Erinnerungsobjekte mitgeben: Basteln Sie gemeinsam eine kleine Karte oder ein Fotoalbum aus der KTP-Zeit, das das Kind in den Kindergarten mitnehmen kann. Dieses Objekt verankert die gute Zeit und macht sie greifbar.
  • Übergabedokumentation erstellen: Halten Sie für die Eltern – und im Idealfall für den Kindergarten – fest, was das Kind mag, wie es schläft, welche Rituale wichtig sind, welche Stärken und Vorlieben es hat. Diese Informationen sind für Erzieherinnen Gold wert.
  • Den letzten Tag bewusst gestalten: Ein kleines Abschlussfest, ein gemeinsames Foto, ein persönliches Wort – ein bewusster Abschluss gibt dem Kind das Gefühl: Diese Zeit war wertvoll, und ich darf jetzt weitergehen.

Zusammenarbeit mit Eltern und dem aufnehmenden Kindergarten

Als Tagesmutter oder Tagesvater befinden Sie sich in einer einzigartigen Position: Sie kennen das Kind tiefer und persönlicher als die Erzieherinnen, die es noch gar nicht kennen. Nutzen Sie dieses Wissen aktiv.

Bieten Sie den Eltern ein Übergabegespräch an, bevor das Kind den Kindergarten beginnt. Teilen Sie Beobachtungen über Bindungsverhalten, Einschlafrituale, Vorlieben und Eigenheiten. Fragen Sie die Eltern, ob sie diese Informationen an die neue Einrichtung weitergeben möchten – viele Kindergärten schätzen solche Hinweise, auch wenn es keinen direkten Übergabe-Standard gibt.

Wenn der Kindergarten eine strukturierte Eingewöhnung nach dem Berliner Modell oder einer ähnlichen Methode durchführt, können Ihre Beobachtungen über das Bindungsverhalten des Kindes die Erzieherinnen dabei unterstützen, die Eingewöhnung passend zu gestalten.

Eine solche proaktive Zusammenarbeit ist nicht selbstverständlich – und wird von Eltern sehr geschätzt. Sie stärkt zugleich Ihr Profil als professionelle Kindertagespflegeperson.


Gut für das Kind – gut für Sie als Fachkraft

Ein gelungener Übergang ist auch für Sie persönlich bedeutsam: Er schließt eine intensive Betreuungsphase würdevoll ab und hinterlässt eine positive Erinnerung – bei Kind, Eltern und Ihnen selbst. Viele Tagesmütter berichten, dass sie nach einem bewusst gestalteten Abschluss Ruhe und Zufriedenheit spüren: Die pädagogische Arbeit hat ihr Ziel erreicht.

Wenn Sie die Themen Übergang und Transition vertiefen möchten, bieten viele Fachberatungsstellen passende Fortbildungen an. Eine Fachberatungsstelle für Kindertagespflege oder das kommunale Jugendamt unterstützen Sie dabei, Ihre pädagogische Arbeit weiterzuentwickeln. Grundlegendes zur Rolle als Kindertagespflegeperson finden Sie auch in unserem Artikel Was ist eine Tagesmutter?


Quellen und weiterführende Informationen

  • Deutsches Jugendinstitut (DJI): Forschungsberichte zu Bildungsübergängen im frühen Kindesalter – www.dji.de
  • Bundesverband für Kindertagespflege (BVKTP): Fachliche Empfehlungen zur Übergangsgestaltung – www.bvktp.de
  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ): Handbuch Kindertagespflege (aktuelle Auflage)
  • SGB VIII § 22: Grundsätze der Förderung in Tageseinrichtungen und Kindertagespflege
  • Bowlby, J. (1969): Attachment and Loss. London: Hogarth Press. (Grundlagenwerk der Bindungstheorie)

Tags: Kindergarten, Übergang, Transition, Kindertagespflege, Bindung, Eingewöhnung, Pädagogik




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